KI, Strategie und Mindset: Was Future Skills sind und wie wir sie in den Arbeitsalltag integrieren
Future Skills galten lange als Spielwiese der Innovationsabteilungen – eine Art Bonusprogramm für Unternehmen, die sich einen Ausflug in die Zukunft leisten wollten. Heute entscheiden sie mitunter darüber, ob ein Geschäftsmodell funktioniert oder scheitert. Die Beschleunigung nimmt zu: Wirtschaft, Technologie und gesellschaftliche Erwartungen verändern sich in einem Tempo, das Unternehmen und ihre Teams zunehmend unter Druck setzt – fachlich, mental und emotional.
“Rund 60% der Beschäftigten brauchen neue Fähigkeiten”, titelt die WirtschaftsWoche in ihrer Digitalausgabe vom 3.2.2026 und spricht von der hohen Relevanz des “Brain Capital” gerade in Zeiten der rasanten KI- Entwicklung.
Doch was macht es genau aus, dieses “Brain Capital”? Geht es hier um mentale Gesundheit und Belastbarkeit oder um fachliche Kompetenzen?
Stell dir vor, du musst morgen dein Geschäftsmodell grundlegend neu ausrichten. Wie viele deiner Mitarbeitenden könnten diesen Wandel strategisch durchdenken, technologisch umsetzen und mental durchhalten? In vielen, vor allem auch großen Unternehmen klafft eine Lücke zwischen dem, was der Markt bereits fordert – KI-Integration, agile Arbeitsweisen, Zukunftskompetenz – und dem, was im Alltag gelebt wird. Diese Lücke wird nicht kleiner, wenn man wartet.
Die gute Nachricht: Sie lässt sich schließen. Nicht durch neue Leute, sondern durch neue Fähigkeiten und Umdenken bei den Menschen, die bereits da sind. Dass dies jedoch auch maßgeblich von der Führungsebene getragen und vorgelebt werden muss, ist die Grundlage für den erfolgreichen Wandel. Neue Technologien und Geschäftsmodelle allein bringen keinen Vorsprung. Entscheidend ist, ob deine Mitarbeitenden in der Lage sind, sich fachübergreifend auszutauschen, vorausschauend denken und neue Tools strategisch sinnvoll mit ihrer Expertise verbinden. Und das Ganze zielgerichtet auf eine gemeinsame Strategie hin erarbeiten.

Unsere Task-Force Future Skills!
Im Austausch mit unseren Expertinnen und Experten bei den Initiativen der Medien.Bayern nähern wir uns dem Thema von mehreren Seiten an.
Mit Miriam Schüssler, Teamlead bei Start Into Media haben wir die Aus- und Weiterbildungskompetenz vertreten. Jason Jiangqi Shen, leitet u.a. das Strategie Sparring Förderprogramm vom Media Lab Bayern. Und Jim Sengl, Teamlead des letztes Jahr gegründeten KI-Kompetenzzentrum Medien, ist mit seinem Team weitreichend in den Tiefen der Künstlichen Intelligenz unterwegs.
Was sind Future Skills eigentlich?
Wenn wir „Future Skills“ hören, denken viele relativ schnell an digitales und technologisches Know-How. Doch das greift zu kurz. Miriam Schüssler, unsere Expertin für Aus- und Weiterbildung in der Medienbranche, bringt es auf den Punkt: „Future Skills sind kein starrer Kanon an Fähigkeiten, die man einmal lernt und dann im Lebenslauf abhakt. Es geht um die Fähigkeit, Kompetenzen systematisch aufzubauen und wirksam zu machen.”
Es geht um die Balance zwischen Spezialisten, die tief graben, und Generalisten, die das „Warum“ verstehen und links und rechts des Weges schauen. In einer Welt, in der sich Technologiefähigkeiten (wie z.B. Prompt Engineering) monatlich ändern, ist das reine Fachwissen (Hard Skill) schnell veraltet. Das eigentliche Future Skill ist daher: Lernen, zu lernen.
Der Zielgruppen-Check: Wer braucht das? Die kurze Antwort: Alle. Vom Volontär bis zur Geschäftsführung. Jim Sengl ergänzt hierzu eine wichtige Beobachtung für Führungskräfte: „Früher konnte man sich auf jahrelange Erfahrung verlassen. Heute passiert es schneller, dass diese Erfahrung falsch liegt, weil sich der Kontext z.T. rasant ändern kann. Die Lösung? Sich regelmäßig Zeit nehmen, Dinge wirklich auszuprobieren. Das ist kein ‚Nice-to-have‘ mehr, sondern ein ‚Must-have‘.“

»Future Skills sind kein starrer Kanon an Fähigkeiten, die man einmal lernt und dann im Lebenslauf abhakt. Es geht um die Fähigkeit, Kompetenzen systematisch aufzubauen und wirksam zu machen.«
Deep Dive – Die zwei Säulen der Zukunft
Technologie ohne Richtung ist Chaos. Strategie ohne Technologie ist heutzutage aber auch unrealistisch. Deshalb brauchen Teams beides!
KI-Kompetenz ist nicht nur ein Tech-Faktor!
„KI-Kompetenz“ steht heute in jeder Stellenausschreibung. Aber reicht es, ChatGPT bedienen zu können?
Für den Leiter des KI-Kompetenzzentrums ein ganz klares „Nein. KI-Kompetenz bedeutet, KI möglichst breit zu verstehen – technologisch, aber auch gesellschaftlich, ökonomisch und historisch. Der Journalismus z.B. ist von all diesen Facetten betroffen.“
Viele Kreative haben Angst, ersetzt zu werden. Doch Jim gibt Entwarnung mit einem klaren Fokus auf den „Human Factor“: „Menschen interessieren sich für Menschen. Kreative Erzeugnisse komplett ohne erkennbare menschliche Beteiligung sind auf Dauer langweilig. Deshalb sollte jeder Kreative KI ausprobieren – aber dann auch ehrlich entscheiden: Hilft es mir? Wenn nicht, kann man getrost darauf verzichten.“
Der Führungs-Tipp: Woran erkennen Führungskräfte gute KI-Schulungen? Jim adressiert hier die Verantwortung ganz klar: „Ich habe noch keine klassische ‚Schulung‘ erlebt, die ich wirklich gut fand. Besser ist es, im Unternehmen Freiräume zu schaffen, in denen Mitarbeitende experimentieren. Was dort funktioniert, kann man dann skalieren – gerne auch mit externer Hilfe.“

»Menschen interessieren sich für Menschen. Kreative Erzeugnisse komplett ohne erkennbare menschliche Beteiligung sind auf Dauer langweilig.«
Strategie-Kompetenz ist das Navigationssystem eines Unternehmens
Warum brauchen wir in Zeiten von KI mehr menschliche Strategie?
Jason vom Förderprogramm „Strategie Sparring“: „KI kann Aufgaben vereinfachen, aber das umfassende Denken übernimmt sie nicht. Der Mensch nutzt Instinkt und Bauchgefühl, um die Umgebung wahrzunehmen. Strategiearbeit heißt, die Zukunft proaktiv zu gestalten, statt nur zu reagieren.“
Jason warnt davor, Strategie nur im C-Level zu verorten. Wenn Unternehmensziele nicht geteilt werden, arbeiten Teams ins Leere. „Jeder im Unternehmen sollte strategisch denken: Zahlt meine heutige Aufgabe auf das große Ziel ein?“
Dazu gehört auch ein neues Mindset, das Jason selbst im Media Lab Bayern gelernt hat: Imperfection. „Wir müssen lernen, dass nicht alles sofort perfekt sein muss. Lieber den ersten Schritt wagen, Fehler machen und den Kurs anpassen, als monatelang an einem ‚perfekten‘ Plan zu feilen, der bei Launch schon wieder veraltet ist.“

»Jeder im Unternehmen sollte strategisch denken: Zahlt meine heutige Aufgabe auf das große Ziel ein?«
Vom Wissen zum Handeln – Wie bringen wir das ins Team?
Wir alle kennen den stressigen Medienalltag. Wann soll man da noch lernen?
Miriam wird hier deutlich: „Man muss die Zeit dafür freischaufeln – und zwar mit Rückendeckung der Führungskraft.“ Es reicht nicht, Weiterbildung zu fordern, man muss sie priorisieren. Dabei müssen es nicht immer große Seminare sein. Wie wäre es mit Peer-to-Peer Learnings unter Kolleginnen und Kollegen? Mitarbeitenden bieten an Schulungstagen der Firma ihre MicroSkills an („Community of Practice“) – das ist oft viel effektiver und steigert dazu noch das Gemeinschaftsgefühl.
Wir unterstützen Medienunternehmen und Medienschaffende. Ihr müsst diesen Weg nicht allein gehen. Mit unseren Angeboten könnt Ihr euch diese Skills in eure Organisation holen.
Was bleibt
Die Transformation der Medienbranche wartet nicht. Aber die gute Nachricht ist: Ihr habt bereits alles, was ihr braucht – eure Mitarbeitenden! Gebt ihnen das Werkzeug, die Strategie und vor allem Raum und Vertrauen, um die Zukunft zu gestalten.







