Medien.Bayern Perspektive: Glaubwürdigkeit

Die technologische Transformation: Werkzeug oder Ersatz? (Glaubwürdigkeit 2/3)

Medien.BayernDie technologische Transformation: Werkzeug oder Ersatz? (Glaubwürdigkeit 2/3)

Die technologische Transformation: Werkzeug oder Ersatz? (Glaubwürdigkeit 2/3)

Von der sozialen Basis blicken wir direkt in die “Maschinenräume” der Branche. Martina Reitmajer konzentriert sich als Senior Konferenzmanagerin bei den MEDIENTAGEN MÜNCHEN auf die neuesten Entwicklungen und Trends bei Bewegtbild, TV & Streaming – und die rasanten Fortschritte im Bereich KI.

KI verändert die gesamte Wertschöpfungskette. Wie der Spagat zwischen Effizienz und Glaubwürdigkeit gelingt, zeigen die Panels des MTM SPECIAL AI & MEDIA, am 21. und 22. April in München:

Martina Reitmajer

»Fehler bei KI-Einsätzen, wie sie beispielsweise jüngst im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorkamen, schädigen die Glaubwürdigkeit dauerhaft. Sie zeigen, dass Transparenz in der journalistischen Arbeit wichtiger denn je ist.«

Martina Reitmajer

Senior Konferenzmanagerin MEDIENTAGEN MÜNCHEN

Zwischen Output-Maschine und Qualitätsgarant

Im Newsroom ist KI bei Recherche und Editing bereits Standard. Doch wie bleiben News in einer Welt von Deepfakes verlässliche Anker? Martina nennt die Herausforderungen und Chancen in Sachen journalistischer Verantwortung:

Journalistische Souveränität bedeutet heute, KI-Werkzeuge für größere Aufgabenmengen zu nutzen, während die letzte Entscheidung zwingend beim Menschen bleibt. Wenn das Arbeitstempo massiv steigt, darf Schnelligkeit nie zulasten der Überprüfung gehen. Fehler bei KI-Einsätzen, wie sie beispielsweise jüngst im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorkamen, schädigen die Glaubwürdigkeit dauerhaft. Sie zeigen, dass Transparenz in der journalistischen Arbeit wichtiger denn je ist. In einer Welt voller Deepfakes sichern wir journalistische Marken daher durch Transparenz, das Prinzip der doppelten Überprüfung und technische Standards für Herkunftsnachweise. Indem Journalist:innen ihre Arbeitsweise offenlegen und KI-Kennzeichnungen klug einsetzen, stärken sie das Urteilsvermögen des Publikums und bleiben ein fester Anker für das Vertrauen.”

 >> Panel: Zwischen Output-Maschine und Qualitätsgarant (Di, 21.4.26 16:15-16:45)

„The New Cast“: Digitale Zwillinge und Identität

Schauspieler:innen lizenzieren digitale Zwillinge, Synchronstimmen werden künstlich erzeugt. Das schafft Flexibilität, birgt aber existenzielle Risiken für Talente und die emotionale Tiefe der Inhalte. Für Martina bleibt der Faktor Mensch dabei das Zugpferd:

“Ich denke, dass im Zuge der rasanten Entwicklungen im Bereich der KI das Gütesiegel „Made by Humans“ stetig an Bedeutung gewinnen wird. Souveränität im Jahr 2026 bedeutet für mich daher: Wir dürfen den technologischen Fortschritt nicht gegen die Kunstschaffenden ausspielen. Zudem bin ich überzeugt, dass die Identität der Inhalte im Vordergrund stehen muss, um die Menschen vor den Bildschirmen langfristig an Medienmarken zu binden.”

>> Panel: The New Cast (Mi, 22.4.26 15:30-16:15)

Fiktion trifft Reichweite: Autorität ohne Biografie

Der Erfolg der Kunstfigur „Hakimdecoded“ des AI Creators Leon Asianowaa wiederum demonstriert, dass im digitalen Raum Autorität, Vertrauen und Reichweite generiert werden können, ohne dass eine reale Biografie zugrunde liegt. Die Persona, die Expertise und die gesamte Erzählung sind dabei bewusst und klar erkennbar konstruiert, um die Wirksamkeit rein fiktiver Identitäten zu zeigen.

Ist eine reale Identität für den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Creator und Publikum überhaupt noch zwingend erforderlich? Auch wenn Hakimdecoded eine Ausnahme darstellt, bleibt für Martina die grundlegende Frage nach der Rolle von „Echtheit“ auf modernen Plattformen bestehen:

„Während manche technische Perfektion schätzen, verlangen die meisten Menschen einen Beweis für echte Menschlichkeit. Wenn Medienhäuser echte Menschen und künstlich erschaffene Figuren so vermischen, dass man sie nicht mehr unterscheiden kann, verspielen sie ihr wertvollstes Kapital: ihre Glaubwürdigkeit. Vertrauen gewinnen Medieninhalte künftig nur, wenn wir konsequent kennzeichnen und Arbeitsweisen offenlegen. Das Publikum verzeiht den Einsatz von KI, aber es verzeiht niemals das Gefühl, manipuliert worden zu sein. Wer das Besondere am Menschen als Qualitätsmerkmal aufgibt, wird austauschbar. Solche Medien verlieren ihr Recht, als verlässliche journalistische Stimme gehört zu werden.”

>> Panel: Fiktion trifft Reichweite Di, 21.4.26 15:00-15:25)

Dass OpenAI nun seine KI-App Sora einstellen will, lässt aufhorchen. Sora brachte in den vergangenen Monaten viele mit Hilfe Künstlicher Intelligenz generierte Videos hervor, die sich über soziale Netzwerke verbreiteten. Über die Gründe für das Aus ist nichts bekannt- Interpretationen gehen in alle Richtungen. Aber am ehesten werden in diesem Fall die wirtschaftlichen Faktoren, die ethischen dominieren.

Lies in Teil 3, wie Dr. Carolin Gierth das rechtliche Fundament als Basis für mediale Vertrauensarbeit sieht.

Lies in Teil 1, wie Magnus Gebauer über die Entfremdung von Journalismus und Gesellschaftsbereiche denkt.

Autorin: Madeleine Gewargis

Fotos: Cindy Ngo

Wir freuen uns, euch vom 22. – 24. Oktober 2025 auf den #MTM25 begrüßen zu dürfen. Mit der „Media For You“ gibt es auch wieder die beliebte Career-Erlebnismesse zum Thema Jobs & Ausbildung.