Das rechtliche Fundament: Sicherheit schafft Vertrauen (Glaubwürdigkeit 3/3)
Für Dr. Carolin Gierth (juristische Leitung des KI-Kompetenzzentrums Medien und der “KI-Koordinierungsstelle” bei der BLM) funktioniert Innovation nur auf einem rechtsfesten Boden. Als “Architektin der Leitplanken” kennt sie das Abwägen eines Spielraumes zwischen kreativer und journalistischer Freiheit und den rechtlichen Rahmenbedingungen. Ohne Rechtssicherheit gibt es kein Vertrauen – weder bei den Produzenten noch beim Publikum.
Von Urheberrechtsfragen im Writers‘ Room bis hin zu den existenziellen Sorgen von Synchronsprecherinnen, die ihre Stimmenrechte an KI-Klauseln zu verlieren drohen: Carolin Gierth zeigt auf, dass Vertrauen auch eine Frage der fairen Verträge ist.
“Ich finde, wir sollten menschliche Urheberschaft künftig viel bewusster absichern und sichtbar machen. Der Hebel liegt in kluger Vertrags- und Produktionsgestaltung: etwa indem wir festlegen, dass kreative Kernentscheidungen bei Menschen liegen, dokumentiert werden und sich in Credits, Freigabeprozessen und Produktionsprotokollen nachvollziehen lassen. Mit einem Augenzwinkern möchte ich hinzufügen, dass die KI-Verordnung übrigens nicht verbietet, mit der Authentizität nicht-KI-generierter Inhalte zu werben.”

»Ich halte die Kennzeichnung von KI-Inhalten nicht für eine lästige Pflicht, sondern für eine neue Form von Qualitätskommunikation.«
Kennzeichnung als Qualitätsmerkmal
Wie gehen Medienhäuser 2026 damit um, dass sie den Einsatz von KI offenlegen müssen (AI Act), ohne das Vertrauen ihres Publikums zu verlieren? Statt defensiv auf die Regulierung zu reagieren, sieht Carolin Gierth darin eine Chance zur Profilierung:
“Ich halte die Kennzeichnung von KI-Inhalten nicht für eine lästige Pflicht, sondern für eine neue Form von Qualitätskommunikation. Wer Herkunft, Bearbeitungsschritte und den Einsatz von KI offenlegt, zeigt nicht Schwäche, sondern Professionalität. Gerade in einem Umfeld, in dem Inhalte massenhaft generiert werden können, wird nachvollziehbare Herkunft zum Vertrauenssignal. Übrigens: Die EU-Kommission arbeitet bereits an einem Code of Practice zu Kennzeichnung und Labelling. Die Medienanstalten schauen in diesem Prozess darauf, dass die Kennzeichnungsverpflichtungen ausgewogen in die Praxis überführt werden. Außerdem wird die EU-Kommission eine Guideline herausgeben, die zu wichtigen Begriffen und Definitionen Auskunft geben soll.”
Redaktionelle Verantwortung bei halluzinierenden Antworten
Wenn eine KI im Newsroom „halluziniert“, trägt rechtlich immer noch das Medienhaus nach den klassischen presserechtlichen und zivilrechtlichen Grundsätzen die Verantwortung. Wie müssen Redaktionen ihre Prozesse rechtlich aufsetzen, damit der “Human-in-the-Loop” nicht nur ein Schlagwort, sondern ein belastbares Sicherheitsversprechen an das Publikum bleibt?
“KI ist kein Mensch und kann daher nicht haftbar gemacht werden. Es braucht belastbare Prozesse und Redaktionsleitlinien: klare Freigaberegeln, Quellenprüfung, Vier-Augen-Prinzip bei sensiblen Themen, Protokollierung von Prompts und Bearbeitungsschritten sowie klare Eskalationswege. Der AI Act ist an dieser Stelle sehr aufschlussreich: KI-generierte oder manipulierte Textveröffentlichungen zu Themen von öffentlichem Interesse müssen grundsätzlich gekennzeichnet werden, es sei denn, es gibt echte menschliche Überprüfung und redaktionelle Verantwortung. Genau daran sieht man: Menschliche Letztverantwortung ist kein PR-Begriff, sondern der rechtliche und organisatorische Maßstab.”
Und auch hier unterstützen die BLM, die KI-Koordinierungsstelle und die Initiativen der Medien.Bayern, allen voran das KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M) den bayerischen Medienstandort mit einem umfangreichen Veranstaltungs- und Beratungsangebot. Für Carolin Gierth ist die Message hier klar: “Wir zeigen: Wer in Bayern produziert, hat ein Netzwerk, das die komplexen Vorgaben des AI Act und des europäischen Urheberrechts praxisnah übersetzt. Dieses Ökosystem trägt aus meiner Sicht dazu bei, finanzielle Risiken für Medienpartner zu minimieren und macht Bayern zu einem hochattraktiven Umfeld für innovative Medienproduktionen.”
Fazit: Das neue Qualitätsversprechen
Fazit: Das neue Qualitätsversprechen
Glaubwürdigkeit ist leider kein statischer Zustand, sondern eine tägliche Auseinandersetzung mit Handwerk, Demokratie und Meinungsvielfalt. Wahres Vertrauen entsteht im Zusammenspiel dreier Faktoren:
- Der Mut zur Repräsentanz auf der sozialen Ebene.
- Die konsequente Transparenz bei technologischen Entwicklungen.
- Die unbeugsame Klarheit im rechtlichen Rahmen.
Wer diese Ebenen bespielt, sichert nicht nur seine Reichweite, sondern auch das demokratische Fundament unserer Medienlandschaft mit.


