KI vor Ort in Landshut: Der KI eine Seele einhauchen

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KI vor Ort in Landshut: Der KI eine Seele einhauchen

Künstliche Intelligenz passiert nicht nur in München, sondern auch in der niederbayerischen Hauptstadt Landshut. Bei KI vor Ort haben das KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M) und das MedienNetzwerk Bayern in Kooperation mit Niederbayern TV und der Hochschule Landshut gezeigt, warum generative Technologien uns alle betreffen.

„KI ist nur so gut wie die Menschen, die sie benutzen“, so Till Krause, Dozent an der Hochschule Landshut. Und genau deshalb ist es entscheidend, dass KI-Kompetenz als Future Skill für alle verstanden wird. Krause betonte, dass die Entscheidung über die Qualität des Ergebnisses immer bei der Person vor dem Rechner liegt.

Jüngere Generationen hätten dabei einen entscheidenden Vorteil: Für sie ist die Arbeit mit KI bereits normal. „Richtig genutzt, kann KI uns fantastische Möglichkeiten für die Medien und die Gesellschaft eröffnen.“, so Krause. Und Studierende sind dort oft bereits weiter als die Führungsetagen großer Medienhäuser.

KI-Nutzung: Ein Überblick in Zahlen

Die genauen Zahlen zur KI-Nutzung präsentierte Magnus Gebauer, Teamlead beim MedienNetzwerk Bayern. 71,8 Prozent der Menschen nutzen insgesamt KI. Bemerkenswert: 26 Prozent nutzen GenAI mehrmals die Woche und 50 Prozent geben an, sie für Texterstellung zu verwenden. Für Recherche, Unterhaltung und Problemlösung liegt die Nutzung zwischen 40 und 50 Prozent.

In Medienhäusern ist man gerade an automatischer Textgeneration, an der Personalisierung von Inhalten und an RAG-Systemen interessiert. Nur vier Prozent der Medienhäuser sehen keine Relevanz von KI. Nur 25 Prozent betrachten Deepfake- und Falschnachrichten-Erkennung als relevant.

Und was hält Redaktionen davon ab, sich mehr mit KI zu beschäftigen? Gebauer benennt fehlendes Know-how, Qualitäts- und Kontrollbedenken, Unsicherheit bezüglich rechtlicher Vorgaben sowie Budgeteinschränkungen und fehlendes Wissen um die richtige Lizenzierung als entscheidende Kriterien.

Warum Medienhäuser eigene KI-Wege gehen müssen

Jim Sengl, Leitung des KI.M, erklärte den typischen KI-Workflow in der Nachrichtenproduktion, der in vielen Medienhäusern und Beratungsfirmen zum Einsatz kommt. Der Prozess umfasst sechs Schritte: Nachrichteneingang, Triage und Klassifizierung, Erstellung eines ersten Entwurfs durch ein LLM, redaktionelles Review und Editing, KI-SEO-Optimierung und Bildunterschrift sowie schließlich die Veröffentlichung.

Das Problem dabei: Es entsteht sehr viel generischer Output überall dort, wo kein Mensch oder Finetuning mitarbeitet. Sengl warnte eindringlich: „Es wird schwierig, sich auf dem Markt zu unterscheiden. Gute KI macht dich und dein Produkt gleich und damit austauschbar.“

Ein Lösungsansatz: On-Premise-LLMs mit Finetuning. Dabei werden die ersten Layer des Modells auf den hauseigenen Redaktionsstil trainiert. Das Ergebnis gehört nur dem eigenen Haus und unterscheidet es vom Wettbewerb – es ist der hauseigene Touch im Workflow. Eine eigene KI auf den hauseigenen Redaktionsstil zu trainieren hilft, sich unabhängig zu machen und das eigene Produkt unterscheidbar zu gestalten.

KI im Bewegtbild: Das neue Zeitalter des Storytellings

Spezielle Herausforderungen kommen auf die Bewegtbildbranche zu. Tobias M. Huber, Bewegtbildexperte bei Storybook Studios, machte deutlich: „Gute Geschichten erzählen ist sehr schwierig, KI zu benutzen dagegen einfach.“ Sein Studio definiert sich bewusst als Storyteller, für die KI etwas Tolles sein kann, aber eben nur ein Werkzeug bleibt.

Beim Drehbuch hilft ein LLM zum Beispiel beim Strukturieren und Recherchieren von Ideen. Die wichtigste Fähigkeit einer Autor:in ist, sich selbst zu hinterfragen. Dabei können Sprachmodelle helfen, aber ihnen den gesamten Kreativprozess zu überlassen, ist noch ein Ding der Unmöglichkeit. Bei der Tool-Auswahl gilt: KI-Modelle sind wie Pferde und es gibt individuelle Präferenzen. Für Video kommen Tools wie Veo3 zum Einsatz, wobei gilt: „Fail fast! Man muss auch manchmal akzeptieren, dass etwas nicht funktioniert und man zurück in den Schreibprozess muss, um eine Idee anzupassen. Auch dabei kann die KI unterstützend wirken.“

Bei Advanced Workflows wird mit Open Source und lokal betriebenen Modellen gearbeitet, was erlaubt, alles zu machen, ohne Restriktionen. Denn Storytelling geht auch dahin, wo es mal wehtut. Für „blutige“ Geschichten sind nur schwierig von den Entwicklern zu bekommende Lizenzen nötig.

Storybooks eigene Prompting-Regeln sind klar: kein intellektuelles Eigentum prompten, keine realen Personen prompten und Vorsicht mit den Biases im Modell, da der Datensatz die Vorurteile des Internets abbildet. Hubers Vision für die Zukunft: Eine Zukunft, in der nicht die Budgets bestimmen, sondern nur der menschliche Input.

Put the soul in AI

KI ist in der Medienbranche längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern gelebte Realität. Die Herausforderungen sind vielfältig: von rechtlichen Fragen über die Gefahr der Austauschbarkeit bis hin zu ethischen Überlegungen. Die Zukunft der Medien mit KI wird nicht von der Technologie allein bestimmt, sondern von den Menschen, die sie nutzen – ihrer Kreativität, ihrem Verantwortungsbewusstsein und ihrer Fähigkeit, die menschliche Note zu bewahren, die letztlich den Unterschied macht.

Foto (c) Medien.Bayern/Giulia Neumeyer

„KI vor Ort“ ist eine fortlaufende Veranstaltungsreihe des KI-Kompetenzzentrums Medien (KI.M) in Kooperation mit dem Thinktank des MedienNetzwerk Bayern, die im Wechsel in einem der sieben bayerischen Regierungsbezirke stattfindet. Die Event-Reihe vermittelt kompakt praxisnahes Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes generativer Künstlicher Intelligenz in den Medien. Termin und Ort der nächsten Ausgabe gibt das KI.M rechtzeitig bekannt.

Wir freuen uns, euch vom 22. – 24. Oktober 2025 auf den #MTM25 begrüßen zu dürfen. Mit der „Media For You“ gibt es auch wieder die beliebte Career-Erlebnismesse zum Thema Jobs & Ausbildung.