KI vor Ort in München: Mit KI-Kompetenz am Boden bleiben – und trotzdem abheben

Im Wochentakt erscheinen neue Modelle, KI-gestützte Tools und Best Practices. Wer beim Thema Künstliche Intelligenz am Ball bleiben will, könnte dafür täglich Stunden investieren. Besonders in Medienhäusern und Redaktionen, in denen KI parallel zum Tagesgeschäft eingeführt wird, entstehen so schnell verzerrte Erwartungen. Oft bleibt die Frage: Was kann Generative AI tatsächlich für die Medienbranche leisten? Und wie lässt sich KI-Kompetenz in der Medienbranche erreichen?
Hier setzt das neue Format des KI-Kompetenzzentrums Medien (KI.M) an. Bei „KI vor Ort“ erhalten die Teilnehmer:innen Schritt für Schritt mehr KI-Kompetenz – vermittelt anhand praxisnaher Cases. Die Auftaktveranstaltung am 25. Juli in München, ausgerichtet in den Räumlichkeiten der Medien.Bayern mit Digital-Consultant Marcel Tuljus, bot einen ersten Einblick in die realen Potenziale großer Sprachmodelle (LLMs) und KI-gestützter Workflows für die Medienbranche.
Wie integrieren Medienunternehmen bereits KI in ihren Arbeitsalltag?
Wer in seinem Team mehr Kompetenz im Umgang mit generativer Künstlicher Intelliganz schaffen will, muss auch in den Medien vom Menschen her denken. Beim österreichischen Privatradiosender KroneHit wurde die News-Redaktion deshalb von Anfang an in den Prozess eingebunden. Anstatt also ein völlig neues Tool einzuführen, integrierte man KI-Technologie nahtlos in bestehende Workflows. Das zugrunde liegende Sprachmodell wurde mit tausenden News-Artikeln feinjustiert, nachdem erste Tests deutliche Probleme mit Halluzinationen und groben Fehlern offenbart hatten. Die inhaltliche Einordnung bleibt weiterhin eine Herausforderung – und wird deshalb von einer menschlichen Redakteur:in übernommen.
Mit seinem neuen Musik-Streamingdienst Freestream.at erzielt KroneHit einen spürbaren Mehrwert durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Plattform kann dank Generative AI in kurzer Zeit flexibel auf tagesaktuelle Ereignisse reagieren, etwa indem sie nach dem Tod von Ozzy Osbourne automatisch eine vollständige Playlist inklusive passendem Cover erstellt. Auch bei der Station Voice greift man bei Freestream.at auf KI zurück: Im VoiceLab von ElevenLabs werden mit synthetischen Stimmen passende Einspieler produziert. Die Plattform profitiert dabei von der stetigen Weiterentwicklung der Audio-Werkzeuge, durch die sich die Sprachqualität und die Ausdrucksstärke der Stimmen anpassen lassen.
Der Duisburger Fernsehsender Studio 47 nutzt KI-gestützte Videoproduktion: Videos, Schnittbilder, Audio und Bauchbinden werden automatisiert erstellt, Avatare sogar in Interviews eingesetzt. Für die Redaktion bedeutet das weniger Zeitaufwand für die Erstellung von Kurznachrichten – und damit mehr Zeit, die für journalistisch bedeutsamere Themen verwendet werden kann.
Was also tun für mehr KI-Kompetenz in der Medienbranche?
„KI ist natürlich ein Hype“, sagt Tuljus. Entscheidend sei, Künstliche Intelligenz nicht als Allheilmittel für tief verwurzelte Probleme zu betrachten. Mangelt es an Datenqualität, ist die Infrastruktur veraltet oder verhindern Datensilos eine ordentliche Auswertung, kann auch KI-Unterstützung keine Abhilfe schaffen. Gleichzeitig sollten Medienunternehmen mutig in die Zukunft blicken und sich von Rückschlägen bei KI-Experimenten nicht entmutigen lassen. Scheitern ist Teil des Transformationsprozesses – und im besten Fall die Basis für neue Experimente, die das Unternehmen voranbringen.
Der ideale Einstieg ins Thema: kleine Ideen ausprobieren, die dem Team den unmittelbaren Nutzen von KI verdeutlichen. Die erfolgreiche Integration lebt von solchen „kleinen Siegen“, durch die Mitarbeitende im Arbeitsalltag Schritt für Schritt kontinuierlich KI-Kompetenz und KI-Know-how aufbauen.
Foto (c) Medien.Bayern/Alexander Hartung
„KI vor Ort“ ist eine fortlaufende Veranstaltungsreihe des KI-Kompetenzzentrums Medien (KI.M) in Kooperation mit dem Thinktank des MedienNetzwerk Bayern, die im Wechsel in einem der sieben bayerischen Regierungsbezirke stattfindet. Die Event-Reihe vermittelt kompakt praxisnahes Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes generativer Künstlicher Intelligenz in den Medien. Termin und Ort der nächsten Ausgabe gibt das KI.M rechtzeitig bekannt.