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Lokal, digital, unverzichtbar: Die drei Säulen der modernen Regionalmedien (Lokale Medien 3/3)

Medien.BayernLokal, digital, unverzichtbar: Die drei Säulen der modernen Regionalmedien (Lokale Medien 3/3)

Lokal, digital, unverzichtbar: Die drei Säulen der modernen Regionalmedien (Lokale Medien 3/3)

Lösungsansätze zum Fachkräftemangel, zur Umstellung von Print auf Digital und zur sinnvollen Nutzung von KI lassen sich nicht 1:1 von großen Medienunternehmen auf kleinere übertragen. Sie müssen für die Anforderungen regionaler Medienbetriebe und deren Budgets kreativer gedacht werden. Beate Hones sitzt bei den Lokalmedientagen an der Schnittstelle. Sie weiß, wo den regionalen Medienhäusern der Schuh drückt und welche Lösungen in den Panels von Nürnberg gerade am heißesten diskutiert werden.

2026 gehen die Lokalmedientage (LMT) aus den Lokalrundfunktagen hervor, die seit mehr als 30 Jahren die wichtigste Vernetzungsplattform für alle Medienschaffenden aus Radio und Fernsehen bilden. Mit der Neuausrichtung unter der Marke “Lokalmedientage” reagiert das Team der Medien.Bayern GmbH auf Transformation in der Radio- und TV-Landschaft, die sich längst über das klassische „On Air“-Signal hinaus definiert.

Technologische Entlastung trifft publizistischen Existenzkampf

Die Relevanz dieser Neuausrichtung wird beim Blick auf die aktuellen Debatten der Branche deutlich. Laut dem aktuellen Reuters Institute Trend Report 2026 stehen Regionalmedien weltweit vor einer doppelten Bedrohung: Während der Traffic über Suchmaschinen und soziale Plattformen drastisch einbricht, fluten synthetische Inhalte das Netz. Eine aktuelle medienwissenschaftliche Analyse (Khabyuk/Jandura, 2026: Kann generative KI vor Nachrichtenwüsten schützen?) unterstreicht zudem, dass der smarte Einsatz von Automation gerade für kleinere, regionale Häuser die entscheidende Überlebensstrategie sein kann.

Für Beate Hones zeichnet sich auf den Lokalmedientagen daher nach wie vor ein ganz klarer technologischer und journalistischer Spagat in den Redaktionen ab:

“Aus technologischer Sicht ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz das Top-Thema. Gerade für lokale – also eher kleinere – Medienhäuser kann sie im Redaktionsalltag enorm unterstützen. Hier beobachten wir schon, dass KI immer häufiger zum Einsatz kommt und auch eigene Ideen entwickelt werden, die dann auch in den Häusern ausgerollt werden (zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem KI-Kompetenzzentrum Medien).

Aus journalistischer Sicht kämpfen lokale Angebote um die Aufmerksamkeit des Publikums. Tageszeitung, Radio und TV informieren aus der Region für die Region und sind damit ein wichtiger Grundstein für den demokratischen Diskurs. Dafür müssen diese Angebote aber auch gefunden und gesehen werden.”


»Wir widmen in diesem Jahr erstmals einen ganzen Track den Innovationen. In 20-minütigen Pitches werden Projekte vorgestellt, die einen echten Mehrwert für die Medienbranche bilden.«

Beate Hones

Senior Konferenzmanagerin Lokalmedientage

Best Practices gegen die Nachrichtenwüste

Die Sorge, im digitalen Rauschen übersehen zu werden, macht lokale Akteure kreativ. Weil die Abhängigkeit von globalen Plattform-Algorithmen weiter steigt, rücken exakte Messbarkeit auf den eigenen Kanälen und alternative, nutzerzentrierte Erlösmodelle ins Zentrum der Strategie. Dass zukunftsfähige Lösungen oft gerade aus der klugen Überwindung lokaler Zwänge entstehen, beweisen die diesjährigen Programm-Highlights bei den Lokalmedientagen, auf die Beate Hones blickt:

“Wir widmen in diesem Jahr erstmals einen ganzen Track den Innovationen. In 20-minütigen Pitches werden Projekte vorgestellt, die einen echten Mehrwert für die Medienbranche bilden. Das vom Media Lab Bayern geförderte Startup Radiozeit aus Potsdam zum Beispiel stellt eine KI-gestützte Programmanalyse und Aircheck in Echtzeit von Radio-Angeboten vor. Das ist für Programmschaffende ein sehr spannendes Feld, da ihre Inhalte somit messbar, vergleichbar und optimierbar werden.

Wie Lokaljournalismus abseits von Werbeeinnahmen finanziert werden kann, zeigt Telebasel. In der Schweiz fallen ab 2028 wichtige Finanzierungsbeiträge aus dem Kabelnetz weg. Telebasel hat daher eine Lösung gesucht, wie das Programm – insbesondere die Nachrichtensendungen – weiter aufrechterhalten werden kann. Mit der Initiative „Lueg nid nur zue. Trag mit!“ sollen die Bevölkerung und Unternehmen motiviert werden, den Sender ideell und finanziell zu unterstützen. Eine Art Community-Fernsehen unter dem Label #mirsinnTelebase, das sein Publikum zum Teil der Senderkultur macht.”

Warum die Zukunft des Digitalen im echten Leben entschieden wird

Smarte KI-Analysen aus Potsdam und partizipative Community-Modelle aus Basel zeigen, dass die Antworten auf die Medienkrise smart, innovativ und digital sind. Doch je komplexer und automatisierter die Werkzeuge im Hintergrund werden, desto deutlicher spürt die Branche eine Gegenbewegung – eine ausgeprägte „Sehnsucht nach Echtheit und Nähe“, wie sie auch das MedienNetzwerk Bayern in seinen aktuellen Medientrends 2026 als zentralen Erfolgsfaktor beschreibt. In einem von Algorithmen geprägten Informationszeitalter ist das persönliche, vertrauensvolle Netzwerk die wahre Größe. Für das Programm-Team der Lokalmedientage ist die physische Begegnung in Nürnberg deshalb unersetzlich:

“Digitalisierung ist für die Medien essentiell, aber wir wissen alle: Die besten Kontakte und kreativsten Ideen entstehen nicht in einem Teams-Call, sondern im persönlichen Kontakt, beim Kaffee oder auf dem Medienfest im Alten Rathaus in Nürnberg. Bei den Lokalmedientagen treffen sich die Leute, die vor Ort wirklich etwas bewegen – egal ob sie für Radio, TV oder eine Zeitung arbeiten. In einer Zeit, in der die großen Plattformen den Ton angeben, hilft der direkte Austausch. Es geht darum, voneinander zu lernen und Projekte anzuschieben, die die Branche zukunftsfähig machen.”

Die Neuausrichtung der Lokalmedientage zahlt auf die vielen konkreten und mutigen Projekten aus der regionalen Medienszene ein. Stillstand kennt diese Branche nicht, denn Medienarbeit ist und bleibt ein Geschäft voller Leidenschaft. Diese gemeinsam zu teilen und am 24. Juni auf der großen Medienparty im Alten Rathaus zu feiern – genau das macht den Besuch in Nürnberg zum Pflichttermin!

Hier geht´s zu den Lokalmedientagen

Geförderte Startups vom Media Lab Bayern, die den Journalismus effizienter und sicherer machen:

  • Articly: mithilfe von KI unterstützt Articly Unternehmen dabei Artikel automatisiert in Podcast, Audio-Newsletter oder Briefings umzuwandeln.
  • onescreen: das Startup demokratisiert den Zugang zu digitaler TV-Werbung. Marken erreichen dadurch neue Käufer:innen und wachsen nachhaltig.
  • Radiozeit: hilft Radiostationen, Untertitel im Karaoke-Stil in ihre Apps zu integrieren. Die Funktion des Media Monitoring ermöglicht es den Sendern zudem, Erkenntnisse über die Inhalte anderer Sender in der Region zu gewinnen.
  • easy newstime: erklärt aktuelle Nachrichten in leichter Sprache. Migrant:innen verstehen so das Tagesgeschehen und lernen die Sprache und Kultur kennen – kostenlos und digital.

Lies in Teil 1, warum Journalist Lukas Schöne den Lokaljournalismus als demokratisches Fundament sieht

Lies in Teil 2, warum Content Managerin Florentina Czerny lokale Medien als Wirtschaftsmotor sieht

Autorin: Madeleine Gewargis

Fotos: Cindy Ngo

Wir freuen uns, euch vom 22. – 24. Oktober 2025 auf den #MTM25 begrüßen zu dürfen. Mit der „Media For You“ gibt es auch wieder die beliebte Career-Erlebnismesse zum Thema Jobs & Ausbildung.