Strategien für den KI-Herbst

Strategien für den KI-Herbst

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Strategien für den KI-Herbst

Während Deutschland Richtung Herbst/Winter 2026 in Sachen KI vor allem von Governance, Compliance und Datensouveränitätsthemen gefordert ist, konzentriert sich die USA auf die verschobenen Börsengänge der KI-Giganten, sucht händeringend Computer-Power, sowie KI-Autonomie-Kontrollen und zu deren Finanzierung eine Menge (Risiko-)Kapital. Für den chinesischen Markt wiederum steht die wirtschaftliche Effizienz an erster Stelle: Hardware Integrationen von KI-Software und industrielle Skalierungen werden weiter vollzogen. Während autonome Agenten und der Druck auf den ROI globale Megatrends sind, bleiben stramme Regulierungen (EU AI Act) und KI-bezogene ESG-Vorgaben (Environmental , Social, Governance ) primär europäische Themen.

Globale Marktanalysen von Gartner, McKinsey und der MIT Technology Review zeigen sehr gut das Spannungsfeld, in dem sich Wirtschaft, Führungsebenen und Mitarbeitende derzeit bewegen

Der Fokus der Führungskräfte liegt laut McKinsey´s Report weiterhin auf der Leistungssteigerung. Nachhaltige Produktivität und langfristige Wirkung sollen durch Technologie und – KI als Transformationstreiber- in Organisationen ermöglicht werden. LLM basierte KI-Agenten stellten sich erstmalig 2023 als neue Kollegen bei den Firmen vor. In der Zwischenzeit haben sich ihre Einsatzgebiete rasant weiter entwickelt. Darauf zahlen die Prognosen von Gartner (Oktober 2025) und der Review vom Massachusetts Institute of Technology auch ein:

Multiagenten-Systeme ermöglichen die Zusammenarbeit modularer KI-Agenten bei komplexen Aufgaben und verbessern so die Automatisierung und Skalierbarkeit. Diese Technologien veranlassen Organisationen dazu, Arbeitsabläufe neu zu gestalten, Bereiche und End-to-End-Prozesse neu zu definieren und traditionelle Strukturen zu überdenken. In dieser Hinsicht wird auch bei uns in den Unternehmen bereits in viele Richtungen gedacht, weitergebildet und ausprobiert. Neben Verlagshäusern wie Ippen Media und Mediengruppe Pressedruck setzen viele weitere Medienunternehmen, vor allem auch im Bewegtbildbereich, erfolgreich ihre “digitale Belegschaft” ein.

Marius Grubel - KI-Kompetenzzentrum Medien

»Viele Unternehmen erwarten, dass Agenten unstrukturierte Prozesse ordnen und stabil aufbauen, während die Datenbasis nicht einheitlich vorliegt.«

Marius Grubel, Projektmanagement KI-Reallabor des KI.M

Marius Grubel ist KI-Entwickler und Projektmanager des KI-Reallabors beim KI- Kompetenzzentrum Medien. Er spricht mit vielen Firmen und sieht noch Optimierungen im Umgang mit den Multiagenten-Systemen: “Viele Unternehmen erwarten, dass Agenten unstrukturierte Prozesse ordnen und stabil aufbauen, während die Datenbasis nicht einheitlich vorliegt. Wenn die Ergebnisse der KI-Agenten dann wider erwarten, unter den Anforderungen liegen, sind viele Teams frustriert. Dabei heißt es meist nicht, dass der gewünschte Anwendungsfall für einen KI-Agenten ungeeignet ist, sondern viel mehr, dass an den Grundlagen wie Prozesseinbindung und Datengrundlage gearbeitet werden muss.”

Um sich und die Mitarbeitenden für diese strukturierte Grundlagenarbeit zu sensibilisieren und auch die gesamte Prozesskette zu verstehen, die für einen sinnvollen Einsatz von KI-Agenten notwendig ist, bietet die Medien.Bayern verschiedene Impulse.

Angebote der Medien.Bayern

AI-Security?!

Die Verschärfung der wirtschaftlichen Verwerfungen und die Zunahme der geopolitischen Unsicherheiten sind weitere Top-Themen, die die Umfrageteilnehmenden des McKinsey Reports sehen. Darauf einzahlend machen die Prognosen von Gartner und des MIT die Notwendigkeit deutlich, auf die eskalierenden Risiken in der globalen Lieferkette mit einer ganzheitlichen, risikobasierten Cybersicherheitsstrategie zu reagieren, die auf Governance und Zusammenarbeit basiert.

Die präventive Cybersicherheit z.B. verlagert die Verteidigung von reaktiv zu proaktiv und nutzt die KI zur Abwehr von Bedrohungen, bevor diese Schaden anrichten können. Das ganze wird natürlich auch umgekehrt gelebt. Bei den aktuellen Kriegsführungen im Iran Konflikt wird vermutet, dass neuerdings dialogbasierte KI-Systeme im Einsatz sind, die Kommandeure nicht nur zur Analyse, sondern auch zur Beratung nutzen. Umfangreiche Sprachmodelle entscheiden nun also über Leben und Tod? (siehe: “Der neue Kriegsraum”).

Gartner nennt AI Security Platforms als zentralen Trend, um Unternehmensdaten und KI-Systeme vor staatlicher und krimineller Spionage abzusichern.

Und wie sieht es mit der Sicherheit in unseren Unternehmen und für jeden einzelnen aus? Hackerangriffe nehmen wöchentlich zu. Deepfakes werden als Social Media Waffen eingesetzt.

Nicolas Inzelmann ist Gründer von Infinitas Security. Das Start-up eines Cyber-Managementsystems, wurde im vergangenen Jahr vom Media Lab Bayern gefördert. Inzelmann bestätigt ebenfalls mit seinen Beobachtungen, dass KI die Angreiferseite verändert habe: “Phishing und Social Engineering lassen sich überzeugender personalisieren, Deepfakes werden leichter skalierbar und Angriffe können stärker automatisiert werden. Für mich liegt die neue Dimension deshalb vor allem in Geschwindigkeit, Qualität und Skalierbarkeit der Angriffe. Medienunternehmen sind davon besonders betroffen, weil Vertrauen und Authentizität unmittelbar Teil ihres Geschäftsmodells sind.”

Mit ihrem Tool “CyberPilot” helfen sie Firmen, sich u.a. vor diesen Angriffen zu schützen.

Nicolas Inzelmann ist Experte für Cybersecurity

Nicolas Inzelmann, Gründer von Infinitas Security

„Gerade Medienunternehmen haben heute eine sehr heterogene digitale Infrastruktur: Redaktions- und Publishing-Systeme, CMS, Abo- und Kundenportale, Ad-Tech-Lösungen, externe Produktionspartner und immer mehr KI-Anwendungen greifen ineinander. Dadurch entstehen viele Schnittstellen und Abhängigkeiten, während gleichzeitig besonders sensible Inhalte geschützt werden müssen, etwa unveröffentlichte redaktionelle Inhalte, Recherchematerial, Quelleninformationen oder exklusive Produktionen. Ein erfolgreicher Angriff kann deshalb nicht nur Systeme lahmlegen, sondern unmittelbar Veröffentlichung, Reichweite und Glaubwürdigkeit eines Medienhauses treffen.“

Mehr Sicherheit für Medienunternehmen

Der Fokus u.a. auf Medienunternehmen liegt aus Angreifersicht nahe. Dabei ist laut Inzelmann nicht die Herausforderung, dass überhaupt nichts in Sachen Cybersicht getan wird. Vielmehr fehle gerade kleineren und mittelständischen Medienunternehmen der Überblick darüber, welch Risiken für das eigene Geschäftsmodell wirklich kritisch sind und welche Maßnahmen es gilt, primär umzusetzen:

“Genau hier setzt unser CyberPilot an: Wir machen professionelles Cybersecurity-Management auch für Unternehmen zugänglich, die kein großes eigenes Security-Team aufbauen können. Kleinere Medienhäuser können sich dabei sogar kostenlos einen strukturierten Überblick über ihre aktuelle Cybersecurity-Situation verschaffen. Wer darüber hinaus kontinuierlich an Risiken, Reifegrad und konkreten Verbesserungsmaßnahmen arbeiten möchte, kann CyberPilot im Rahmen unseres skalierbaren SaaS-Modells nutzen. KI hilft dabei, Komplexität zu reduzieren, vorhandenes Cyber-Wissen auf den konkreten Unternehmenskontext zu übertragen und daraus priorisierte, umsetzbare Maßnahmen abzuleiten.“

Media Lab Bayern fördert Startups und Expert:innen für Euch!

Mit dem Media Lab Bayern fördern wir seit über 10 Jahren Startups, die mit technologischen und am Markt gefragten Ideen die (Medien-)Wirtschaft voran bringen. So erhielt auch “Infinitas Security” im letzten Jahr eine Förderung und unterstützt nun den Mittelstand in Sicherheitsthemen. Speziell für Medienunternehmen gibt es auch ein extra Beratungsressort: www.infinitas-security.com/use-case/media

Um die Bereitschaft von Mitarbeitern und Organisationen für eine KI-gestützte Transformation besser zu verstehen, hat McKinsey im Sommer 2026 eine globale Umfrage von 750 Mitarbeitern und Führungskräften aus verschiedenen Branchen veröffentlicht. Alle Teilnehmenden mussten bereits mit KI-Anwendungen vertraut sein. Die Ergebnisse wurden in 3 Cluster (sog. ”horizons”) aufgeteilt:

  • Unternehmen, die KI in ihrer Organisation ermöglichen (Enabler)
  • Unternehmen, die bereits bestehende Arbeitsabläufe in Teilautomatisierungen mit KI gebracht haben (Automation)
  • Unternehmen, die erste Umsetzungen zur Neugestaltung von Organisationsformen angegangen sind und dabei versuchen, das KI-Potential umfangreich zu nutzen (Reinvention)

In der Befragung gaben nur 11% der Organisationen an, den “Reinvention”- Horizont bereits erreicht zu haben. Die Mehrheit bestätigt laut Umfrageergebnisse, dass KI bisher noch keinen nennenswerten Unternehmenswert in Bezug auf Geschäftsergebnisse, Kosteneinsparungen, Mitarbeitererfahrung oder Kundenergebnisse geliefert hat. Zwischen den Führungskräften und ihren Mitarbeitenden herrscht eine Kluft in der Wahrnehmung: Während die Mehrzahl der Arbeitnehmer offen und bereit sind mit KI zu interagieren und diese anzuwenden, fehlt es an klarer Führungsstrategie, wie man diese neuen Technologien nachhaltig und strukturell sinnvoll einsetzt.

Wie Medienschaffende wirklich mit KI arbeiten

Das macht sich auch in der Art bemerkbar, wie über KI auf Konferenzbühnen gesprochen wird. “Obwohl oft Management-Prioritäten, wie Effizienzsteigerungen oder Kosteneinsparungen dominieren, werden kaum Belege für einen entsprechenden Erfolg geliefert,” so Johannes Klingebiel, Research Manager aus dem Media Lab Bayern.

Johannes Klingebiel

»Nur knapp die Hälfte der Medienhäuser misst überhaupt den Effekt der eigenen KI-Initiativen, wie wir für einen kommenden Report herausgefunden haben. Obwohl einige Häuser gut aufgestellt sind, fühlt es sich auch oft nach Aktionismus an.«

Johannes Klingebiel, Research Manager Media Lab Bayern

Was also auf einzelnen Ebenen bereits im Wandel ist- wird im großen Unternehmensstil noch nicht gelebt. AI-gestützte Transformation erfordert, dass die Organisation als System grundlegend Arbeitsweisen neu denkt, wie z.B. die Arbeit erledigt wird, Entscheidungen getroffen werden, Teams organisiert sind und neue Unternehmenswerte geschaffen werden- und was sich davon KI-gestützt automatisieren lässt. In diesem Stadium bereits auch auf technologischer Seite an europäische Datenschutzvorgaben zu denken und sich möglichst frühzeitig digital souverän aufzustellen, sollte mittlerweile eine Selbstverständlichkeit sein.

OWN iT ?!

Es gibt in Deutschland und Europa bereits ein funktionierendes Ökosystem aus Modellentwicklern, Cloud-Anbietern und Plattform-Integratoren, die auf digitale Souveränität, DSGVO-Konformität und den EU AI Act ausgerichtet sind. Erste Vorreiter sind neben STACKIT/Schwarz Digits, IONOS (Cloud-Infrastruktur & Hosting)- Mistral AI aus Frankreich und das deutsche Forschungs- und Entwicklungskonsortium Soofi für Modellentwicklungen & KI-Plattformen oder auch SILO AI (Finnland), die in Sachen DSLMs spezialisierte Wissensdatenbanken für Firmen entwickeln.

Auch im KI-Kompetenzzentrum der Medien.Bayern können im KI-Reallabor Projekte als erste Prototypen in einem geschützten Raum entwickelt und ausprobiert werden.

Bereite Deine Organisation auf die KI-Zukunft vor

Mit folgenden Angeboten kann Euch die Medien.Bayern wertvolle Impulse dazu geben, Arbeitsweisen neu zu denken und zu transformieren:

Neben zahlreichen Panels zu diesem Thema, dem Hauptmotto der diesjährigen MEDIENTAGE München, präsentiert u.a. Johannes Klingebiel die Ergebnisse einer KI-Studie: Wo steht eigentlich die Medienbranche im Bezug auf KI? Das Media Lab Bayern veröffentlicht in Zusammenarbeit mit dem KI-Kompetenzzentrum Medien einen Überblick auf den Medientagen München.

Förderprogramme 2027:

Physische KI & Humanoid Robotics (China- & US-Schwerpunkt)

Während Europa KI immer noch als Software begreift, treiben China und die USA Physical AI voran. Gartner zählt physische KI zu den Kernfeldern; China setzt diese vor allem zur Automatisierung von Fabriken, Logistik und intelligenter Hardware durch humanoide Systeme ein. Physische KI und Roboter-Hardware stehen zwar bei spezialisierten Logistik- und Fertigungsunternehmen auf der Agenda, bilden in breiten Management-Befragungen in Europa (z.B. beim oben zitierten Mc Kinsey Report) aber noch die Ausnahme.

Grenzen überwinden

Regelmäßige Blicke über den Tellerrand sollen nicht verunsichern, sondern vorbereiten. In den vielen Veröffentlichungen der Initiativen der Medien.Bayern wird auch von internationalen Messen berichtet (u.a. SXSW, OMR, re:publica) und Einordnungen für unsere Standorte gegeben.

Giulia Neumeyer ist Kommunikationsmanagerin beim KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M) und dem MedienNetzwerk Bayern und eine dieser Journalistinnen, die sich mit ihrer Arbeit unter anderem dafür einsetzen, technologische Hypes zu erden, den publizistischen Überblick zu bewahren und KI greifbar zu machen, ohne dass man sich davon überrollt fühlt:

Es ist einmal…der Mensch

Giulia Neumeyer

„Je rasender technologische Entwicklungen voranschreiten, desto stärker wächst bei vielen das Gefühl von Kontrollverlust. Echte Selbstwirksamkeit im KI-Alltag bedeutet nicht, diesen Sprint mitrennen zu müssen. Vielmehr geht es darum, dem pauschalen Output das eigene Gewicht entgegenzusetzen: Sichtbarkeit, Menschlichkeit und echte journalistische Expertise. Die KI baut vielleicht in Sekunden ein Gerüst, aber der intellektuelle Kern gehört ganz allein uns.” 

Giulia Neumeyer, Kommunikationsmanagerin KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M) &  MedienNetzwerk Bayern

Menschen begegnen, Wissen auszutauschen und Ideen voranbringen – bei den MEDIENTAGE München können unsere Besuchende genau diese Selbstwirksamkeit stärken- denn Wissen hilft, der Veränderung entschlossen entgegen zu blicken. Alina Venzl, Konferenzmanagerin für den KI-Track bei den Medientagen, muss sich nahezu täglich auf was Neues einlassen und bleibt dabei resilient: “Der unkritische Hype um Künstliche Intelligenz ist vorbei. Das diesjährige Motto der MEDIENTAGE München ‚OWN it!‘ appelliert eindringlich an die Medienbranche: Wer KI nachhaltig nutzen will, muss die Technologie beherrschen. Gefragt sind technologische Unabhängigkeit, praxiserprobte Anwendungen und der klare Grundsatz: Der Mensch bleibt als Kontrollinstanz (‚Human in the Loop‘) unersetzlich.”

Alinas Panelempfehlungen bei den MEDIENTAGE München

Autorin: Madeleine Gewargis

Fotos: Cindy Ngo

Passende Veranstaltung

Wir freuen uns, euch vom 22. – 24. Oktober 2025 auf den #MTM25 begrüßen zu dürfen. Mit der „Media For You“ gibt es auch wieder die beliebte Career-Erlebnismesse zum Thema Jobs & Ausbildung.