Future Readiness: lohnt sich eine Vibe-Coding Schulung für Medienschaffende?
Ja- aber…
Unter dem Begriff Vibe Coding wird jetzt Nicht-Programmierer:innen versprochen, dass sie mit natürlicher Sprache in Code-LLMs – wie von Claude, Open AI und Gemini bereitgestellt – verbunden mit einem kostenlosen GitHub Account- einfach drauflos programmieren können. Dabei ist bekannt, dass KI-Modelle gerne mal halluzinieren und meist Durchschnittsware produzieren. Wie sieht es damit beim Coden aus?
Tobias Bulla ist Director of Engineering for Brand Commerce bei Condé Nast nähert sich der Frage im aktuellen Deepdive „Vibe Coding in der Medienbranche“ des MedienNetzwerk Bayern Thinktank so:
„Text ist „verzeihender“. Wenn ein Text nicht hundertprozentig stimmt, weiß man trotzdem, was gemeint ist. Ein Programm, das nicht hundertprozentig stimmt, funktioniert einfach nicht. Der entscheidende Punkt ist aber ein anderer: Vibe Coding kann funktionieren, solange man keine Sicherheit, Skalierbarkeit oder Wartbarkeit braucht. (…). Wenn du beispielsweise einen Fehler beseitigen oder ein neues Feature hinzufügen willst, geht das oft nicht. Dann braucht es einen erfahrenen Entwickler, der kontrolliert, was die KI macht, und versteht, warum sie es so löst.“
Human-in-the-loop bleibt wichtigste Instanz
Die Erfahrungen, die Tobias Bulla bereits mit Vibe Coding gemacht hat, kann er klar auf dessen beschränkten Nutzen runterbrechen: „Ich habe oft mit Anwendungen zu tun, die Daten aus einer Datenbank holen und daraus Websites generieren. Einmal habe ich nur durch Zufall mitgekriegt, dass die KI beschlossen hatte, Mock-Daten einzuführen und damit weiter zu arbeiten, weil es mit den echten Daten nicht klappte. Ich hätte also gleich zu Beginn eine vollkommen kaputte Anwendung gehabt, ohne es zu merken. Oder du hast extrem viel doppelten Code und musst ihn in Zukunft statt an einer an fünfzehn Stellen ändern. Dann beginnt das Chaos. Als Laie weißt du so etwas nicht und kannst den Code nicht lesen. Und so etwas gerade zu ziehen ist für Profis dann oft mehr Arbeit, als es von Anfang an selbst richtig zu machen.“

Warum ein Vibe Coding-Kurs trotzdem wichtig sein kann
Zeigte der kostenlose Workshop vom MedienNetzwerk Bayern Thinktank am 10. Dezember 2025 in den Räumen der Medien.Bayern. Aus allen Medienbereichen trafen 43 verschiedene Expertisen aufeinander und lernten unter der Anleitung von 1E9-Mitbegründer Krischan Lehmann und 1E9 Head of Community Henning Schröder die schnellen Erfolge und teilweise Enttäuschungen des Vibe Codings kennen.
Erkenntnisse einer Nicht-Programmiererin
Am Anfang steht die Strategie!
Ohne klare Strategie wird das nix.
Allein der ideale Promptaufbau in der Codex-Version z.B. von ChatGPT oder Claude Code macht deutlich, dass man sich von vorneherein im Klaren sein muss, was man möchte. Krischan Lehmann und Henning Schröder empfehlen folgende Promptstruktur:
- Die Vision/ Idee: Was soll entstehen? Warum und wozu?
- Zielgruppe: Für wen? Alter, Kontext, Bedürfnisse
- Ästhetik & Vibe: Wie sieht es aus? Wie fühlt es sich an?
- Must-Haves: 3-5 Kern-Features
- Quick Win: Was soll in 5 Min funktionieren?
Diesen Prompt so zu formulieren, dass er klare Aussagen trifft zeigt, wie wichtig auch Fachbereichs-übergreifendes Arbeiten ist- vor allem wenn es um Strategieentwicklung geht.

Raus aus der Komfortzone
In den gemischten Teams beim Vibe-Coding Workshop war dieses Know-How gegeben und so hatte das Ganze auch noch einen lehrreichen Nebeneffekt: mit unbekannten Menschen in Diskussionen zu treten. Zusammen Ideenreichtum und Reibungen zuzulassen und am Ende durch „commit“-ments gemeinsam unbekanntes Terrain zu betreten, um etwas Neues zu schaffen.
Gemeinsam zum Branch-Brunch
Ging es dann doch ans Eingemachte, da die ersten Ergebnisse der Programmieridee an zahlreichen Stellen zu Fehlermeldungen führte. Und plötzlich ist man gefangen in einer Mischung aus Faszination, das Problem nun lösen zu wollen- ohne zu wissen wie und dem Wunsch, aufzugeben. Durch diese Ambivalenz durchzugehen und den spielerischen Ansatz siegen zu lassen, ist eine spannende Erfahrung für Alle, die ihre bisherigen Erfahrungen mit neuen „mergen“ wollen.

Am Ende bleibt: eine Ahnung
Davon, was möglich wäre.
Ein Mock-up, eine erste Darstellung, ein Prototyp der Idee- und das in weniger als 2 Stunden.
Für Menschen aus der Produktentwicklung, Redaktionen, Marketing und Kreativ-Branche ist diese Erfahrung sehr viel wert. Zeigt sie u.a. erneut, wie wichtig durchdachte, strategische Produkt- / Contententwicklungsplanung vorab ist. Damit alle Gewerke, die mit der Umsetzung in Kontakt kommen, sich immer wieder im „Repo“ – Zuhause treffen können.
Faszinierend. Ein erster Proof-of-Concept, den man nun z.B. auf der Führungsebene vorstellen, sowie Ressourcen und Kosten für die konkrete Umsetzung mit den Fachbereichen berechnen kann.
Am Ende können dann die Entwicklungsteams bzw. freie Entwickler:innen und die UI- und UX-Experten und Expertinnen diesen Entwurf mit dem entsprechenden Datenunterbau korrekt aufsetzen.

Download: Deepdive „Vibe Coding in der Medienbranche“
Für großartig recherchierte, aufschlussreiche erste Eindrücke, Anleitungen und Erfahrungen gerne hier kostenlos den Deepdive des MedienNetzwerk Bayern Thinktank „Vibe Coding in der Medienbranche“ herunterladen.

