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Lokale Medien als Wirtschaftsmotor (Lokale Medien 2/3)

Medien.BayernLokale Medien als Wirtschaftsmotor (Lokale Medien 2/3)

Lokale Medien als Wirtschaftsmotor (Lokale Medien 2/3)

Warum Lokaljournalismus wichtig ist

  • Demokratie vor Ort wird durch ein lebendiges regionales Miteinander gebildet
  • Gute lokale Berichterstattung stärkt Krisenfähigkeit
  • Verlässliche, geprüfte Informationen sind das Gegengift zur Desinformation
  • Lokaljournalismus sorgt für prüfbare Fakten, nachvollziehbare Debatten und verantwortliche Akteure
  • Menschen vertrauen Informationen, wenn sie die Absender kennen

(Quelle: https://tag-des-lokaljournalismus.de/)

Grund genug, den „Tag des Lokaljournalismus“ am 5. Mai 2026 zu feiern. Der neu gegründeten Initiative von IPPEN.MEDIA und Co‑Initiator DRIVE, haben sich bis jetzt schon über 150 Zeitungsverlage und Verbände angeschlossen.

Dass Lokaljournalismus Identität stiftet, wird durch die aktuelle BLM-Studie „Lokaljournalismus in Bayern“ (2026) einmal mehr bestätigt.

Medienstandort Bayern: Warum die lokale Medienvielfalt internationale Beachtung findet

Für Content Managerin Florentina Czerny, die bei XPLR: MEDIA in Bavaria lokalen Medienunternehmen den Auftritt auf dem nationalen und internationalen Parkett ermöglicht, sind diese Werte ein wichtiges Aushängeschild. Welches Feedback bekommt sie aus dem Ausland zum deutschen Lokaljournalismus:

“Es ist schon so, dass der Lokaljournalismus in Bayern noch eine Vielfalt besitzt, die in anderen Ländern wie den USA oder auch anderen Teilen Deutschlands bereits verloren gegangen ist – und das wird auch so wahrgenommen. Dazu tragen innovative Projekte, engagierte Journalist:innen und kreative Köpfe bei. Die Süddeutsche Zeitung hält zum Beispiel ihre Leser:innen mit lokalen Whatsapp-Channels auf dem Laufen – auch dort, wo es keine Lokalredaktion mehr gibt. Mit „Augsburger Allgemeine Original” spricht das etablierte Medienhaus aus Augsburg ein junges Publikum auf YouTube an. Und längst haben auch andere Lokalredaktionen erkannt, dass sie ihre Inhalte auf unterschiedlichen Plattformen anbieten und neue Technologien wie KI nutzen müssen, um aktuell zu bleiben.”


»Der Lokaljournalismus in Bayern besitzt noch eine Vielfalt, die in anderen Ländern wie den USA oder auch anderen Teilen Deutschlands bereits verloren gegangen ist.«

Florentina Czerny

Content Managerin XPLR: MEDIA in Bavaria

Wie lokale Verlage sich neu aufstellen

Dass traditionelle Medienarbeit aber auch ein überzeugender Wirtschaftsfaktor für den Medienstandort Bayern ist, wird oft übersehen. Florentina Czerny zeigt, dass „Local Heroes“ oft Ideen entwickeln, die auch für nationale und internationale Medienhäuser interessant sein können:

“Ein Unternehmen, das es sehr gut versteht, Lokaljournalismus stetig zu hinterfragen und neu zu erfinden, ist die Ippen.Media, zu der zum Beispiel der Münchner Merkur gehört. Das Medienhaus bemüht sich, moderne Lösungen zu finden, um qualitative Berichterstattung auf lokaler Ebene bieten zu können und dabei wirtschaftlich zu bleiben. Ein Projekt zur letzten Bundestagswahl fand ich besonders spannend: Die Redaktionen setzten KI für die Analyse und Berichterstattung der Wahlergebnisse in über 11.000 Gemeinden deutschlandweit ein. So konnten die Leser:innen schnell informiert werden.

Überzeugt hat mich auch die Podcast-Produktion „Mythos Airport“ von der Würzburger Main-Post. Manuel Scholze hat darin die Geschichte der Kultdisko „Airport“ nacherzählt. Für mich ist das ein gutes Beispiel für das, was Lokaljournalismus ausmacht: Geschichten aus der Heimat so zu erzählen, wie man sie noch nicht gehört hat, auf Plattformen, die zum aktuellen Medienkonsum passen. Ich sehe gerade hier KI als riesige Chance: Wenn sie repetitive Aufgaben im Redaktionsalltag abnehmen kann, können Journalist:innen rausgehen und sich voll und ganz auf neue, überraschende Storys konzentrieren.”

Größere Verlagshäuser haben diesbezüglich natürlich auch etwas mehr Spielräume, neue Workflows auszuprobieren und in den operativen Alltag zu überführen. Der Verlag Nürnberger Presse (VNP) z.B. hat ein Upload-Tool für registrierte Autor:innen wie Vereinsschreiber:innen, Organisationen oder freie Mitarbeitende entwickelt, in das sie ihre Neuigkeiten, Texte und Bilder hochladen können. Eine KI prüfe dann faktische Unstimmigkeiten und gibt Layout- und Rechtschreib-Verbesserungen. Den Menschen braucht es dennoch: auf Nachfrage des Medienmagazins Meedia konkretisierte der VNP, dass sämtliche Texte oder Bilder externer Autoren vor der Veröffentlichung von der zuständigen Lokalredaktion geprüft und freigegeben werden müssten.

Mut zur Nische: Wie Indie-Projekte neue Märkte erschließen

Wie aber ermöglichen und finanzieren kleinere Medienbetriebe Innovationen, die den Lokaljournalismus stärken wollen? Florentina kennt auch hier einige Vordenker.innen:

“In Lindau am Bodensee haben zwei Journalistinnen, Ronja Straub und Julia Baumann-Scheyer, ein neues Format gegründet: kolumna. Die beiden haben vorher jahrelang für die dortige Lokalzeitung gearbeitet und wollten dann ein eigenes Projekt starten. Auch bei kolumna machen sie Lokaljournalismus, aber auf moderne Weise mit einem Newsletter-Abo-Modell. Dass der Bedarf da war, hat sich in der Vorfinanzierung gezeigt: Schon bevor der erste Newsletter rausging, hatte das Duo hunderte Abos verkauft. Mich hat die Geschichte beeindruckt, weil ich die beiden Frauen sehr mutig finde. Ein komplett neues Format im Lokaljournalismus zu gründen, der sich durch etablierte und eher traditionelle Strukturen auszeichnet, ist für mich absolute Innovation. Sie haben dadurch nicht nur Mut bewiesen, sondern auch taktisches Gefühl, denn sie haben erkannt, dass die Menschen in der Region bereit für ein neues Format waren. Und: Sie haben die bayerische Medienlandschaft ein Stück weit diverser gemacht.”

Während Florentina die wirtschaftliche Power des Standorts präsentiert hat, müssen diese Visionen im Alltag erst einmal operativ umgesetzt werden. Kleinen Medienunternehmen mangelt es nicht an Ideen, sondern an wirtschaftlichen Einschränkungen. Welche Innovationen bayerische Medienhäuser dennoch derzeit nach vorne bringen, besprechen wir mit Beate Hones, die für die Lokalmedientage in Nürnberg aktuell die relevanten Herausforderungen und Diskussionen zu zwei aufschlussreichen Konferenztagen orchestriert.

Lies in Teil 3, warum Konferenzmanagerin Beate Hones meint, dass digitale Transformation vor allem durch persönlichen, analogen Austausch gelingt

Lies in Teil 1, warum Journalist Lukas Schöne den Lokaljournalismus als demokratisches Fundament sieht

Passende Veranstaltungen

Autorin: Madeleine Gewargis

Fotos: Cindy Ngo

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